Kaffeekonsum und die Vielfalt der Darmmikrobiota: Die Rolle der Polyphenole
- 13. März
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Eine Tasse Kaffee am Morgen ist für viele Menschen unverzichtbar und fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Für manche wirkt er aufgrund seines Koffeingehalts als Energieschub, für andere gehört er einfach zum täglichen Ritual, und die meisten Kaffeeliebhaber genießen vor allem das Aroma. Doch Kaffee könnte weit mehr bieten als bloßen Genuss.
Polyphenole – ein Modulator der bakteriellen Vielfalt?
Kaffeebohnen enthalten bioaktive Pflanzenstoffe, die als „Polyphenole“ bezeichnet werden. Diese kommen zum Beispiel auch reichlich in Obst und Gemüse vor und tragen unter anderem zu deren Farbe und Geschmack bei. Darüber hinaus werden ihnen zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben.1
Aufgrund ihrer komplexen Struktur werden Polyphenole im Verdauungstrakt nur teilweise aufgenommen. Im Dickdarm dienen sie jedoch den dort lebenden Darmbakterien als eine Art Nahrungsquelle. Die Mikroorganismen verstoffwechseln die Polyphenole und bauen sie weiter ab. Dadurch kann sich die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv verändern und nützliche Bakterien zunehmen.2
Was sagt die Evidenz?
Eine kleine Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte 147 gesunde Personen und beobachtete bei höherem Kaffeekonsum eine Zunahme bestimmter Bakteriengruppen, darunter Bacteroides, Prevotella und Porphyromonas.3 Obwohl die Stichprobe relativ klein war und für andere untersuchte Bakteriengruppen keine signifikanten Veränderungen festgestellt wurden, deutet dies auf einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und der Zusammensetzung unserer Darmmikrobiota hin und eröffnet zugleich Ansatzpunkte für weitere Forschung.
Eine neuere Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 analysierte Stuhlproben von über 22.000 Teilnehmenden aus verschiedenen Kohorten.4 Dabei zeigte sich eine deutliche Assoziation zwischen Kaffeekonsum und einer höheren Häufigkeit einer bestimmten Bakterienart namens Lawsonibacter asaccharolyticus.
Ein höherer Kaffeekonsum war mit deutlich erhöhten Mengen von Lawsonibacter asaccharolyticus assoziiert.
Dieser Zusammenhang wurde zusätzlich in vitro untersucht, indem Kaffee zu isolierten Kulturen von Lawsonibacter asaccharolyticus gegeben wurde. Dabei zeigte sich ein verstärktes Bakterienwachstum, was darauf hindeutet, dass Kaffee das Wachstum dieser Spezies möglicherweise direkt fördern kann.
Interessanterweise zeigte die Studie außerdem, dass sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinhaltiger Kaffee zu ähnlichen Ergebnissen führte und jeweils ein Wachstum von Lawsonibacter asaccharolyticus bewirkte.
Was bedeutet das in der Praxis?
Die in Kaffee enthaltenen Polyphenole sind für die Darmbakterien unseres Mikrobioms sehr nützlich. Beim Abbau dieser Stoffe entstehen kleinere Metaboliten, die nicht nur selbst gesundheitliche Vorteile haben, sondern auch dazu beitragen können, dass nützliche Bakterien zunehmen.2
Diese Mechanismen sind für unsere Gesundheit bedeutsam, da ein gesundes Mikrobiom mit zahlreichen Aspekten unserer Gesundheit in Verbindung gebracht wird,5 darunter zum Beispiel:
unsere Verdauung
unsere Immunfunktion
unsere Stoffwechselgesundheit
unsere Gehirngesundheit
um nur einige zu nennen. Der Konsum von Kaffee, sowohl koffeinhaltig als auch entkoffeiniert, könnte daher aufgrund seines Polyphenolgehalts nützlich für die Darmmikrobiota sein.
Wenn Sie jedoch keinen Kaffee mögen, gibt es viele andere Möglichkeiten, Polyphenole in die Ernährung zu integrieren. Auch Lebensmittel wie Obst, Gemüse, grüner Tee, Nüsse und Kakao6 liefern reichlich dieser wertvollen Pflanzenstoffe.
Fazit
Auch wenn in Zukunft sicherlich weitere Studien folgen werden, die den Einfluss von Kaffee auf unser Mikrobiom genauer untersuchen, deuten die bisherigen Erkenntnisse darauf hin, dass unser morgendlicher Kaffee uns nicht nur wach macht, sondern möglicherweise auch unseren Darmbakterien einen kleinen eigenen Energieschub verleiht.
Referenzen:
Martirosyan D, Whited S, Kulkarni A. The effects and practical applications of polyphenols on the human gut microbiome. Adv Food Biotechnol Chem. 2025;2(11):221-235. doi:10.31989/AFBC.v2i11.1839
Wang X, Qi Y, Zheng H. Dietary polyphenol, gut microbiota, and health benefits. Antioxidants (Basel). 2022;11(6):1212. doi:10.3390/antiox11061212
González S, Salazar N, Ruiz-Saavedra S, Gómez-Martín M, de Los Reyes-Gavilán CG, Gueimonde M. Long-term coffee consumption is associated with fecal microbial composition in humans. Nutrients. 2020;12(5):1287. doi:10.3390/nu12051287
Manghi P, Bhosle A, Wang K, et al. Coffee consumption is associated with intestinal Lawsonibacter asaccharolyticus abundance and prevalence across multiple cohorts. Nat Microbiol. 2024;9:3120-3134. doi:10.1038/s41564-024-01858-9
Hou K, Wu ZX, Chen XY, et al. Microbiota in health and diseases. Signal Transduct Target Ther. 2022;7:135. doi:10.1038/s41392-022-00974-4
Pérez-Jiménez J, Neveu V, Vos F, Scalbert A. Identification of the 100 richest dietary sources of polyphenols: an application of the Phenol-Explorer database. Eur J Clin Nutr. 2010;64(Suppl 3):S112-S120. doi:10.1038/ejcn.2010.221
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Da individuelle Bedürfnisse variieren, wird für eine persönliche und maßgeschneiderte Unterstützung eine Beratung durch qualifiziertes Fachpersonal empfohlen.

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