top of page

Joghurt und das Darmmikrobiom: Auswirkungen auf die mikrobielle Zusammensetzung

  • 7. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Apr.




Joghurt ist ein weit verbreitetes fermentiertes Milchprodukt, das insbesondere in Europa häufig konsumiert wird. Joghurt wird durch einen Fermentationsprozess hergestellt, bei dem bakterielle Kulturen zur Milch hinzugefügt werden, wodurch diese fermentiert und eindickt. (1) Die zwei Hauptstämme, die zur Herstellung von Joghurt verwendet werden, sind Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus. Häufig werden zusätzlich weitere bakterielle Stämme zugesetzt, beispielsweise aus den Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium.


Joghurt kann eine zusätzliche Proteinquelle darstellen, da Milchprotein in der Regel hoch verdaulich und bioverfügbar ist. (1) Gleichzeitig wird er häufig als unterstützend für die Verdauung vermarktet. In der Werbung wird oft auf die probiotischen Eigenschaften von Joghurt hingewiesen, und viele Produkte im Supermarkt tragen Bezeichnungen wie „lebende Kulturen“ oder „Bakterienstämme“. Doch was bedeutet das eigentlich und können die im Joghurt enthaltenen Bakterien unsere Darmmikrobiota tatsächlich beeinflussen?



Was sagt die Evidenz?


Die Dynamik der Darmmikrobiota ist weiterhin ein sich entwickelndes Forschungsfeld, jedoch haben mehrere Studien bereits den Einfluss von Joghurtkonsum auf die mikrobielle Zusammensetzung untersucht.


  • Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte einen Anstieg bestimmter mikrobieller Stämme wie S. thermophilus und B. animalis subsp. lactis in der Joghurt-Gruppe. (2) Die Forscher stellten jedoch fest, dass das Vorkommen dieser Bakterien nur vorübergehend (transient) war, also nicht langfristig bestehen blieb. Zudem kamen sie zu dem Schluss, dass Joghurtkonsum häufig mit insgesamt gesünderen Ernährungsgewohnheiten einhergeht, was als Störfaktor (Confounder) bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden muss. (2)

  • Eine weitere Crossover-Studie verglich den Konsum von reinem Joghurt mit Joghurt in Kombination mit Haferflocken und deutete darauf hin, dass die zusätzliche Aufnahme von Ballaststoffen Veränderungen in der mikrobiellen Diversität verstärken könnte. (3) In der Joghurt-Gruppe wurde ein Anstieg von Joghurt-typischen Bakterien wie Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii beobachtet. Insgesamt zeigten sich jedoch ähnliche Ergebnisse: ein vorübergehender Anstieg dieser Bakterien ohne signifikante langfristige Veränderungen der mikrobiellen Diversität.

    Die Haferflocken führten zu einer erhöhten mikrobiellen Gleichverteilung (Evenness), also einer ausgewogeneren Verteilung verschiedener Bakterienarten, zeigten jedoch ebenfalls keine nachhaltigen strukturellen Veränderungen der Mikrobiota. (3)

  • Eine Querschnittsstudie berichtete zudem über eine höhere Häufigkeit des Bakterienstamms Lactobacillus gasseri bei Joghurtkonsumenten. (4) Interessanterweise wurde bei weiblichen Teilnehmenden ein stärkerer Anstieg von Lactobacillus casei beobachtet als bei männlichen. Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass die Reaktionen der Mikrobiota stark individuell sind und von Wirtsfaktoren wie dem Geschlecht beeinflusst werden können.



Was bedeutet das in der Praxis?


  • Die im Joghurt enthaltenen Bakterienstämme können vorübergehende Effekte entfalten, während sie den Verdauungstrakt passieren, da ihre erhöhte Präsenz nach dem Konsum nachgewiesen werden kann.

  • Der derzeitige wissenschaftliche Konsens legt jedoch nahe, dass diese lebenden Kulturen den Darm nicht dauerhaft besiedeln und keine langfristigen Veränderungen der mikrobiellen Zusammensetzung bewirken. Stattdessen beruhen mögliche positive Effekte wahrscheinlich auf ihrer metabolischen Aktivität während der Passage durch den Darm, und nicht auf einer dauerhaften Integration in die Darmmikrobiota. (5)

  • Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Ballaststoffen ist, spielt hingegen vermutlich eine deutlich größere Rolle bei der Unterstützung der residenten Darmmikrobiota. (6)



Fazit


Joghurt kann eine wertvolle zusätzliche Proteinquelle darstellen, und die enthaltenen lebenden Kulturen können kurzfristige funktionelle Effekte im Darm haben. Dennoch sollte man nicht davon ausgehen, dass diese Bakterien die Darmmikrobiota dauerhaft besiedeln oder langfristig die Anzahl „guter“ Bakterien erhöhen.





Referenzen:

  1. Sumi K, Tagawa R, Yamazaki K, Nakayama K, Ichimura T, Sanbongi C, Nakazato K. Nutritional value of yogurt as a protein source: digestibility/absorbability and effects on skeletal muscle. Nutrients. 2023 Oct 14;15(20):4366. doi:10.3390/nu15204366.

  2. Le Roy CI, Kurilshikov A, Leeming ER, Visconti A, Bowyer RCE, Menni C, Falchi M, Koutnikova H, Veiga P, Zhernakova A, Derrien M, Spector TD. Yoghurt consumption is associated with changes in the composition of the human gut microbiome and metabolome. BMC Microbiol. 2022 Feb 3;22(1):39. doi:10.1186/s12866-021-02364-2.

  3. Thriene K, Stanislas V, Huang KD, Strowig T, Michels KB. Impact of yogurt and rolled oats consumption on the gut microbiome: a randomized crossover study displaying individual responses and general resilience. J Nutr. 2026 Apr;156(4):101408. doi:10.1016/j.tjnut.2026.101408.

  4. Suzuki Y, Ikeda K, Sakuma K, Kawai S, Sawaki K, Asahara T, Takahashi T, Tsuji H, Nomoto K, Nagpal R, Wang C, Nagata S, Yamashiro Y. Association between yogurt consumption and intestinal microbiota in healthy young adults differs by host gender. Front Microbiol. 2017;8:847. doi:10.3389/fmicb.2017.00847.

  5. Zaccaria E, Klaassen T, Alleleyn AME, et al. Endogenous small intestinal microbiome determinants of transient colonisation efficiency by bacteria from fermented dairy products: a randomised controlled trial. Microbiome. 2023;11:43. doi:10.1186/s40168-023-01491-4.

  6. Fu J, Zheng Y, Gao Y, Xu W. Dietary fiber intake and gut microbiota in human health. Microorganisms. 2022 Dec 18;10(12):2507. doi:10.3390/microorganisms10122507.



Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Da individuelle Bedürfnisse variieren, wird für eine persönliche und maßgeschneiderte Unterstützung eine Beratung durch qualifiziertes Fachpersonal empfohlen.



 
 
 

Kommentare


SaluSante.

 Nutritional Therapy

© 2026 SaluSante. All rights reserved.

CNHC complementary and natural healthcare council certification logo
BANT british association for nutrition and lifestyle medicine membership logo
  • Instagram
  • LinkedIn
bottom of page