Späte Mahlzeiten und Glukoseregulation
Späte Mahlzeiten am Abend sind üblich, sei es in Form eines verspäteten Abendessens oder eines Mitternachtssnacks. Gründe wie Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten, ein voller Terminkalender sowie ein gesteigerter Appetit am Abend können dazu beitragen, dass ein großer Teil der täglichen Kalorienzufuhr erst spät am Tag konsumiert wird.
Während das für manche Menschen gut funktioniert, können bei anderen Beschwerden oder Schlafstörungen (1) auftreten. Zusätzlich wächst das Interesse daran, ob der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme selbst die Glukosetoleranz und die Stoffwechselgesundheit beeinflussen kann.
Der Glukosestoffwechsel ist eng mit dem zirkadianen Rhythmus, der inneren biologischen Uhr des Körpers, verbunden. Gegen Abend steigt die Ausschüttung von Melatonin zur Vorbereitung auf den Schlaf an, während die Insulinsekretion und die Insulinsensitivität tendenziell abnehmen. Dadurch kann der Körper möglicherweise Glukose weniger effizient verarbeiten als zu früheren Tageszeiten (2). Doch beeinträchtigen späte Mahlzeiten am Abend tatsächlich die Glukoseregulation?
Was sagt die Evidenz?
In einer explorativen Studie mit 26 älteren Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas sowie Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes zeigten Personen, die mehr als 45 % ihrer täglichen Kalorienzufuhr nach 17 Uhr konsumierten, eine schlechtere Glukosetoleranz als Personen, die früher am Tag aßen. Diese Unterschiede wurden trotz einer vergleichbaren Gesamtkalorienzufuhr beobachtet und blieben unabhängig von Körpergewicht, Fettmasse und Ernährungszusammensetzung bestehen. (3)
Ähnliche Ergebnisse wurden in einer Querschnittsanalyse mit 8.726 chinesischen Erwachsenen berichtet. Personen mit einem abendbetonten Essverhalten wiesen höhere Nüchterninsulinspiegel und ein erhöhtes Risiko für Insulinresistenz auf als Personen, die einen größeren Teil ihrer Kalorien früher am Tag konsumierten. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelte, zeigt sie lediglich einen Zusammenhang und kann keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen. (4)
In einer randomisierten Crossover-Studie mit 20 gesunden, nicht adipösen jungen Erwachsenen erhielten die Teilnehmenden identische Ernährungspläne, nahmen ihr Abendessen jedoch entweder um 18 Uhr oder um 22 Uhr ein. Ein spätes Abendessen führte zu einem stärkeren Anstieg des Blutzuckers nach der Mahlzeit sowie zu erhöhten Cortisolkonzentrationen während der Nacht. Interessanterweise waren diese Effekte besonders ausgeprägt bei Personen, die gewöhnlich früh schlafen gehen. (5)
Ergebnisse aus simulierten Nachtschichtbedingungen deuten zudem darauf hin, dass auch die Größe der nächtlichen Mahlzeit eine Rolle spielen könnte. In einer Laborstudie mit Gruppenaufteilung erhielten 31 gesunde Erwachsene entweder einen großen Mitternachtssnack (500 kcal) oder einen kleineren Mitternachtssnack (200 kcal). Die Teilnehmenden, die den größeren Snack konsumierten, zeigten am folgenden Morgen eine schlechtere Glukosetoleranz sowie stärkere Blutzuckeranstiege nach dem Frühstück. (6)
Was bedeutet das in der Praxis?
Einige Hinweise deuten darauf hin, dass unser Körper Glukose am Abend und in der Nacht weniger effizient verarbeiten kann als früher am Tag.
Dies könnte insbesondere für Menschen mit Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz sowie für Personen relevant sein, die im Schichtdienst arbeiten oder unregelmäßige Schlafrhythmen haben.
Einen größeren Teil der täglichen Energiezufuhr früher am Tag zu konsumieren und große Mahlzeiten spät am Abend zu begrenzen, könnte daher eine praktische Strategie sein, um die Glukoseregulation und die Stoffwechselgesundheit zu unterstützen.
Die Evidenz basiert jedoch überwiegend auf Beobachtungsstudien und kurzfristigen Laborexperimenten und nicht auf langfristigen Interventions- oder Outcome-Studien. Daher bedeuten diese Ergebnisse nicht zwangsläufig, dass Mahlzeiten nach einer bestimmten Uhrzeit grundsätzlich schädlich sind.
Vielmehr bleiben die gesamte Kalorienzufuhr, die Qualität der Ernährung, körperliche Aktivität, Schlafqualität und der allgemeine Lebensstil wichtige Einflussfaktoren für die Stoffwechselgesundheit.
Fazit
Einige Hinweise deuten darauf hin, dass der Konsum eines großen Anteils der täglichen Kalorienzufuhr am späten Abend oder in der Nacht die Glukoseregulation beeinträchtigen und zu stärkeren Blutzuckeranstiegen führen kann. Während es die Stoffwechselgesundheit unterstützen könnte, einen größeren Teil der Energiezufuhr früher am Tag zu konsumieren, wird der Einfluss des Mahlzeitenzeitpunkts wahrscheinlich von Faktoren wie dem Stoffwechselzustand, der Größe der Mahlzeit und dem allgemeinen Lebensstil beeinflusst. Letztlich sollte der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme als ein Bestandteil eines gesunden Lebensstils betrachtet werden und nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und gute Schlafgewohnheiten.
Referenzen:
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Reytor-González C, Simancas-Racines D, Román-Galeano NM, Annunziata G, Galasso M, Zambrano-Villacres R, et al. Chrononutrition and energy balance: how meal timing and circadian rhythms shape weight regulation and metabolic health. Nutrients. 2025;17(13):2135. doi:10.3390/nu17132135.
Díaz-Rizzolo DA, Santos Baez LS, Popp CJ, et al. Late eating is associated with poor glucose tolerance, independent of body weight, fat mass, energy intake and diet composition in prediabetes or early onset type 2 diabetes. Nutr Diabetes. 2024;14:90. doi:10.1038/s41387-024-00347-6.
Song X, Wang H, Su C, Wang Z, Huang F, Zhang J, et al. Association of time-of-day energy intake patterns with nutrient intakes, diet quality, and insulin resistance. Nutrients. 2021;13(3):725. doi:10.3390/nu13030725.
Gu C, Brereton N, Schweitzer A, Cotter M, Duan D, Børsheim E, et al. Metabolic effects of late dinner in healthy volunteers: a randomized crossover clinical trial. J Clin Endocrinol Metab. 2020;105(8):2789-2802. doi:10.1210/clinem/dgaa354.
Centofanti S, Dorrian J, Hilditch C, Grant C, Coates A, Banks S. Eating on nightshift: a big vs small snack impairs glucose response to breakfast. Neurobiol Sleep Circadian Rhythms. 2018;4:44-48. doi:10.1016/j.nbscr.2017.12.001.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Da individuelle Bedürfnisse variieren, wird für eine persönliche und maßgeschneiderte Unterstützung eine Beratung durch qualifiziertes Fachpersonal empfohlen.



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