top of page

Proteinriegel: Proteingehalt, Proteinqualität und Nährwerte

29. Sept.
5 Min. Lesezeit


Protein ist zu einem immer wichtigeren Bestandteil unserer Ernährung geworden, nicht nur bei Sportlerinnen und Sportlern, sondern auch in der Allgemeinbevölkerung. Die Lebensmittelindustrie hat auf diesen Trend reagiert, und immer mehr alltägliche Produkte werden inzwischen als „proteinreich“ vermarktet. Eine besonders beliebte und praktische Option sind Proteinriegel. Ob nach dem Training, als süßer Snack oder einfach, um unterwegs den Hunger zu stillen, Proteinriegel sind aus den Supermarktregalen kaum noch wegzudenken.


Der zunehmende Fokus auf Protein hat einige positive Aspekte, darunter ein größeres Bewusstsein für seine Bedeutung in unserer Ernährung. Die wachsende Zahl kommerzieller proteinreicher Produkte macht es jedoch umso wichtiger, über die Angaben auf der Vorderseite der Verpackung hinauszuschauen. Die Kennzeichnung „proteinreich“ sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität des enthaltenen Proteins oder den gesamten Nährwert eines Produkts aus. Proteinriegel können sich deutlich hinsichtlich ihrer Proteinquellen unterscheiden und zudem unterschiedliche Mengen an Ballaststoffen, Zucker, gesättigten Fettsäuren und anderen Zutaten enthalten.


Die Forschung, die sich speziell mit kommerziell erhältlichen Proteinriegeln beschäftigt, ist bislang noch relativ begrenzt. Die vorhandenen Erkenntnisse können uns jedoch dabei helfen, nicht nur auf den Proteingehalt zu achten. In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf den Proteingehalt, die Proteinqualität und den gesamten Nährwert kommerziell erhältlicher Proteinriegel und gehen der Frage nach, was berücksichtigt werden sollte, wenn wir entscheiden, ob sie eine sinnvolle Ergänzung unserer Ernährung darstellen.


Was sagt die Evidenz?


Ein hoher Proteingehalt bedeutet nicht immer eine hohe Proteinqualität

Eine Analyse aus dem Jahr 2025 untersuchte 1.641 kommerziell erhältliche Proteinriegel und stellte fest, dass 81 % ausreichend Protein enthielten, um der EU-Definition für „proteinreich“ zu entsprechen. Als jedoch vier verschiedene Riegel genauer untersucht wurden, zeigten sich deutliche Unterschiede in der Qualität und Verdaulichkeit ihrer Proteine. Dies deutet darauf hin, dass ein hoher Proteingehalt auf dem Etikett nicht zwangsläufig bedeutet, dass das enthaltene Protein auch eine entsprechend hohe Qualität aufweist. (1)


Die Art des Proteins scheint einen wichtigen Unterschied zu machen

In Labortests zur Verdauung wies der Riegel mit Molken- und Milchprotein mit etwa 86 % die höchste Proteinverdaulichkeit auf, verglichen mit etwa 47 % beim Riegel mit Erbsen- und Reisprotein. Ein Riegel mit Milchprotein und Kollagen erreichte eine Verdaulichkeit von etwa 81 %, schnitt jedoch bei der Gesamtbewertung der Proteinqualität besonders schlecht ab, da Kollagen vergleichsweise geringe Mengen an essenziellen Aminosäuren liefert. Dies zeigt, warum es sinnvoll sein kann, neben der Proteinmenge auf dem Etikett auch einen Blick auf die Proteinquelle in der Zutatenliste zu werfen. (1)


Die Proteinquelle beeinflusst, was ein Riegel liefert

Eine Laborstudie aus dem Jahr 2020 verglich proteinreiche Riegel, die mit neun verschiedenen Proteinquellen hergestellt wurden: Molken-, Soja-, Erbsen-, Reis-, Weizen-, Hanf-, Kürbiskern-, Sonnenblumen- und Algenprotein. Die Forschenden verwendeten für jeden Riegel eine ähnliche Grundrezeptur und konnten so untersuchen, wie sich unterschiedliche Proteinquellen auf die Aminosäurezusammensetzung auswirkten. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Riegeln. Dies verdeutlicht, dass die Proteinmenge allein keine Auskunft darüber gibt, welche Aminosäuren das enthaltene Protein liefert. Insbesondere Menge und Verhältnis der essenziellen Aminosäuren unterschieden sich je nach verwendeter Proteinquelle. (2)


Verschiedene Proteinquellen liefern unterschiedliche Aminosäureprofile

Molkenprotein wies ein günstiges Profil an essenziellen Aminosäuren auf, aber auch mehrere pflanzliche Proteine schnitten gut ab. Insbesondere die Riegel mit Soja-, Erbsen- und Reisprotein lieferten relativ ausgewogene Mengen an essenziellen Aminosäuren. Dies deutet darauf hin, dass die Wahl eines pflanzlichen Proteinriegels nicht automatisch bedeutet, sich für eine minderwertigere Proteinquelle zu entscheiden. Die Forschenden bestimmten jedoch lediglich die in den Riegeln enthaltenen Aminosäuren und untersuchten nicht, wie gut diese Proteine vom Körper verdaut oder aufgenommen wurden. Zudem wurden die Riegel speziell für das Experiment hergestellt und waren keine kommerziell erhältlichen Produkte. Die Ergebnisse zeigen daher, dass die Proteinquelle eine Rolle spielt, lassen jedoch nicht den Schluss zu, dass alle Soja-, Erbsen-, Reis- oder Molkenproteinriegel im Supermarkt die gleiche Nährwertqualität aufweisen. (2)


Ein hoher Proteingehalt bedeutet nicht automatisch ein besseres Nährwertprofil

Eine Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte 269 auf dem spanischen Markt erhältliche Riegel, darunter 95 mit proteinbezogenen Angaben. Riegel mit solchen Angaben enthielten deutlich mehr Protein als Riegel ohne diese Angaben, mit einem Median von 30g gegenüber 7,5g pro 100 g. Gleichzeitig enthielten sie deutlich weniger Kohlenhydrate und Zucker. Ihr Gehalt an gesättigten Fettsäuren war jedoch etwa 48 % höher, während es bei Ballaststoffen, Energie und Natrium keine ernährungsphysiologisch relevanten Unterschiede gab. Dies zeigt, dass ein höherer Proteingehalt nicht zwangsläufig bedeutet, dass jeder Aspekt des Nährwertprofils eines Riegels besser ist. (3)


Über den Proteingehalt hinausblicken

Interessanterweise enthielten Riegel mit proteinbezogenen Angaben rund 82 % weniger Zucker als Riegel ohne solche Angaben. Dies zeigt, dass Proteinriegel nicht pauschal als ernährungsphysiologisch ungünstigere Wahl eingestuft werden sollten. Allerdings überschritten 84 % der Riegel mit proteinbezogenen Angaben den in der Studie verwendeten Grenzwert für gesättigte Fettsäuren, verglichen mit 45,9 % der Riegel ohne solche Angaben. Die Ergebnisse verdeutlichen daher, wie wichtig es ist, das gesamte Nährwertprofil – einschließlich gesättigter Fettsäuren, Zucker und Ballaststoffe – zu betrachten, anstatt einen Riegel allein anhand seines Proteingehalts zu beurteilen. Die Studie verwendete die von den Herstellern bereitgestellten Nährwertangaben, anstatt die Produkte unabhängig im Labor zu untersuchen. Die Ergebnisse spiegeln daher die deklarierten Nährwerte der Produkte wider. (3)


Was bedeutet das in der Praxis?


  • Die Proteinmenge in einem Proteinriegel spiegelt nicht zwangsläufig dessen Proteinqualität wider. Proteinquelle, Zusammensetzung der essenziellen Aminosäuren und Verdaulichkeit tragen alle dazu bei, wie wertvoll das enthaltene Protein aus ernährungsphysiologischer Sicht ist. Zwei Riegel mit einer ähnlichen Proteinmenge müssen daher nicht unbedingt Protein von gleicher Qualität liefern.

  • Verschiedene Proteinquellen haben unterschiedliche Stärken und Einschränkungen. Molken- und Milchproteine zeigten in den besprochenen Studien günstige Aminosäureprofile und eine hohe Verdaulichkeit, während einige pflanzliche Proteine, darunter Soja-, Erbsen- und Reisprotein, ebenfalls relativ ausgewogene Profile essenzieller Aminosäuren aufwiesen. Die verfügbaren Erkenntnisse zeigen jedoch nicht, dass alle Proteinquellen oder alle Riegel mit derselben Proteinquelle ernährungsphysiologisch gleichwertig sind.

  • Ein höherer Proteingehalt bedeutet nicht zwangsläufig ein besseres Nährwertprofil insgesamt. In der spanischen Marktstudie enthielten Riegel mit proteinbezogenen Angaben deutlich mehr Protein und erheblich weniger Zucker, aber auch mehr gesättigte Fettsäuren. Bei Ballaststoffen und Energie gab es hingegen keine ernährungsphysiologisch relevanten Unterschiede. Der Proteingehalt stellt daher nur einen Aspekt des Nährwerts eines Riegels dar.

  • Proteinriegel können eine praktische Möglichkeit sein, zusätzliches Protein aufzunehmen, sind dadurch jedoch nicht automatisch ernährungsphysiologisch notwendig. Die verfügbare Forschung untersucht hauptsächlich ihre Zusammensetzung und Proteinqualität, anstatt zusätzliche gesundheitliche Vorteile durch den regelmäßigen Verzehr von Proteinriegeln nachzuweisen. Wie sinnvoll sie sind, hängt daher von der gesamten Ernährung und davon ab, ob überhaupt zusätzliches Protein benötigt wird.


Fazit


Proteinriegel können eine praktische Proteinquelle sein, ihr Nährwert lässt sich jedoch nicht allein anhand des Proteingehalts beurteilen. Proteinquelle, Aminosäurezusammensetzung, Verdaulichkeit und das gesamte Nährwertprofil des Riegels spielen eine Rolle, wobei zwischen einzelnen Produkten erhebliche Unterschiede bestehen können. Die derzeitige Studienlage spricht daher dafür, Proteinriegel als eine mögliche Quelle für Protein in der Ernährung zu betrachten und nicht als grundsätzlich gesündere oder notwendige Wahl.




Referenzen:

  1. Tormási J, Benes E, Kónya ÉL, Berki M, Abrankó L. Evaluation of protein quantity and protein nutritional quality of protein bars with different protein sources. Sci Rep. 2025;15(1):9388. doi:10.1038/s41598-025-94072-4.

  2. Małecki J, Tomasevic I, Djekic I, Sołowiej BG. The effect of protein source on the physicochemical, nutritional properties and microstructure of high-protein bars intended for physically active people. Foods. 2020;9(10):1467. doi:10.3390/foods9101467.

  3. Beltrá M, Borrás F, Ropero AB. Are foods with protein claims healthy? A study of the Spanish market. Nutrients. 2024;16(24):4281. doi:10.3390/nu16244281.



Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Da individuelle Bedürfnisse variieren, wird für eine persönliche und maßgeschneiderte Unterstützung eine Beratung durch qualifiziertes Fachpersonal empfohlen.

 
 
 

Kommentare


SaluSante.

 Nutritional Therapy

© 2026 SaluSante. All rights reserved.

CNHC complementary and natural healthcare council certification logo
BANT british association for nutrition and lifestyle medicine membership logo
  • Instagram
  • LinkedIn
bottom of page